2019: die anfänge

Triggerwarnung wie üblich: Depression, SVV, Suizid

Das Innerste veräußert und aufs äußerste Verinnerlicht
Ein Wechselbalg, die Welt getauscht und nun werden wir sehen.

ASP Wechselbalg

Das Zitat passt eigentlich sehr sehr gut. Grade da ich ja direkt am 1. Januar wieder Dienst hatte und mein linker Arm aussah wie ein Schachbrett.
Gut, dass konnte man unterm Sacko ganz gut verstecken. Der Witz: Eigentlich wollte ich es gar nicht verstecken. Mein Gott, mir gings damals dreckig. Und eigentlich hatte ich immer noch nicht wirklich das Gefühl, in diesem Leben irgendwo mein Platz zu finden. Grüße gehen raus an meine damalige 5./6. Klasse des Gymnasium Weikersheims. Danke fürs Aufbürden dieser Last. Danke dafür, dass ich wohl in unregelmäßigen Abständen mich immer wieder komplett fehl am Platz fühle, das ich mich immer noch meist mehr wie ein Tumor – ein Fremdkörper – fühle als als gleichgestellter Mensch.

Zum Glück hat ich meine erste Woche im neuen Jahr mit zwei ganz lieben Zugcheffinenen( mit einer davon fahr ich viel zu selten), die ich sehr lieb habe gefahren. Und ja, natürlich haben sies gesehen. Natürlich waren sie besorgt. Ist wohl ne normale Reaktion. aber ja, es war schön mal Rückendeckung zu bekommen und vor allem das Gespräch in der IC Hotel Lobby in Berlin war sehr nice 🙂 Generell Carola, wenn du dich hier her verirrst: Danke für alles. Wirklich. Aufrichtig. Was ich rückblickend echt amüsant finde:

Eigentlich gings mir ja besser als im Dezember. Aber psychische Erkrankungen kannst halt nicht sehen. Sobald sich die Psyche dann in vorm von SVV manifestiert sind alle in heller Aufruhr. Oder zumindest mal besorgt und es kommen so Sätze wie „Ja mach 1- 3 und schön langsam ja? Und schrei wenn was ist“ und nicht „1 – 5 und schön jeden Bahnhof durch ja?“ <- früher gabs daraufhin nen halben Nervenzusammenbruch. Heute ein lockeres „Du, hat *hier nächster Halt einfügen* eigentlich ne Weiche?“

Selbst in großen Menschenmengen konntest du alleine bleiben.
Du warst wie ein Gespenst, für alle andren unsichtbar.
Und Gesichter im Vorbeiziehn, kaum gesehen schon vergessen,
kannst dich nicht erinnern, dass es jemals anders war.

Schneefall in der Hölle – ASP

Und ja, ich fühlte mich mal wieder wie ein Gespenst. Ich hab keine Ahnung wer von euch schon mal über den Punkt des Suizids rüber ist. Wer vielleicht schonmal einen Suizidversuch überlebte. Aber bei mir fühlt es sich wirklich die nächsten Tage und Wochen ein Bisschen so an, als wäre man ein Gespenst und immernoch mehr auf der anderen Seite als auf dieser hier. Kann natürlich auch Einbildung sein. Ists wahrscheinlich auch.

Auch wenn ich damals noch etwas zahmer mit mir ins Gericht geh, wird doch klar das man bis Ende April eigentlich von nem bescheidenen Jahresstart sprechen kann. Ich freute mich zwar ende Januar darüber, mal 3 Monate auf 20% Teilzeitarbeit zu sein und vielleicht mal durchschnaufen zu können (das war 2017/2018 und im Januar einfach nicht möglich, aber auf der anderen Seite schwirrten mir auch die „Was wenns“

Was man hier recht schnell sieht, ist die Tatsache das die Laune gerne mal droppt. Das man einfach ohne Grund plötzlich mal traurig ist… Das man seine eigenen Gefühle und seiner eigenen Wahrnehmung nicht übern weg traut. Das man dauernd da steht und hinterfragt ob die Emotionen jetzt seine sind oder ob das Unterbewusstsein nur imitiert was es bei anderen sieht.

ganz ehrlich? Wie ich den Januar zu fast gesunden Schlafenszeiten gekommen bin wundert mich sehr 😀 Wenigstens irgendwas

Februar, März und April ist tatsächlich schnell abgearbeitet. Oder eigentlich auch nicht.

In der Zeit gabs tatsächlich zweimal Jan Böhmerman. Einmal mit dem Rundfunk Tanzorchester in Mannheim was sehr geil war. Einmal eine Sendungsaufzeichnung Neo Magazin Royal was leider meine Depression versaute. Und ich mich eigentlich nur mega fehl am Platz fühlte… Verdammt schlechtes Gefühl sag ich euch.

Einmal Nightwish was ich mir ein bisschen selbst versaute durch den Sitzplatz. Kommt halt leider kein Feeling auf. Allerdings kickte eine neugewonnene Soziophobie zu der Zeit, sodass ich unten wohl durchgedreht wäre,

Das einzige echt schöne Konzert war Wuppertal in der historischen Stadthalle. Total nette Menschen getroffen. ASP ist wie immer sehr sehr geil. War gut.


Ansonsten wären die Monate sehr sehr viel Selbstfindung. Erst mal bestand die Zeit aus viel in der Wohnung verbarrikadieren und nichts und niemanden sehen und hören.
Man bekommt ja eh nichts hin. War damals zumindest der Gedanke. Und ja, auf eine ganz perverse Art und Weise war ich stolz drauf, trotz dem das ich definitiv auseinanderfiel 100% zu arbeiten. Wenigstens das zu schaffen.
Das ich dann selbst das nicht mehr schaffte (weil ja, es GING nicht mehr. Ich wollte. Sehr sehr gerne sogar. Es ging eben nicht.) hat mich im Februar erstmal wieder an den Rand des Freitods getrieben. Aber hey, die Gratwanderung mach ich eh schon ewig…

Generell hatte ich das Gefühl, dass durch den nachlassenden Druck plötzlich alle zum Spielen raus kommen. Soziphobia, nen SVV das dauernd schrie, eine Sanfte Suizidalität, meine Depression, dezente Halluzinationen, gestörtes Warm Kalt Empfinden. All das prasselte da erstmal ungeschützt auf mich ein und legte mich relativ lahm.
Ist übrigens auch nicht geil wenn du eigentlich die Augen zu machen solltest zum Schlafen, du aber entweder deine Leiche siehst, wie du den Suizid begehst oder aber irgendwelche doofen Situationen vor Augen hast. Und Ja, die Gedanken, es einfach durchzuziehen um dem anhaltenden Alptraum endlich zu entkommen werden stärker. Tags und nachts. Aber sich Umzubringen ist gar nicht so einfach (An der Stelle: Hätte ich ein Auto und ein Führerschein wäre es deutlich leichter gewesen. Hätte ich zugang zu Schusswaffen wäre ich heute definitiv nicht mehr da.). Und ja, ich hab mehr Stunden verbracht das zu googlen wie andere Lösungen zu verfolgen.

All das wurde dann noch verstärkt das zu den üblichen Gedankengängen noch kam: Scheiße, wie willstn du so irgendwann wieder Arbeiten? Am Leben teilnehmen? Klar das du grade keinen Vertrauten hast, das tut sich doch keiner freiwillig an.
Geile Mischung sagter? MEGA Geile Mischung sag ich euch.
Es fühlte sich an, als ob ihr unter einer schweren Bleidecke seit, die ihr nicht loswerdet. Seid nach kleinsten Arbeiten erschöpft. Wollt nichts machen, könnt nichts machen. Bekommt kaum Luft, weil die Decke euch die Lunge zerdrückt.

Was mich hat überleben lassen waren einige lichte Momente die mir zeigten wie es sein könnte. Die mich kämpfen ließen. Als Einzelkämpfer. Fuck that, Da hätte ich mich Dezember auch vor Railjet knallen können. Also wurde im ermüdenden zwei Schritte vor drei zurück Einer vor zwei Schritte zurück, vier vor und einer zurück.

Und Hell yeah, es tat verdammt gut der Soziophobie, den Panikattaken und der Depression ordentlich in den Arsch zu treten. Sieht man im Stimmungsverlauf auch.

Was dann weniger Gut lief war das „einschienen“ in die 80% zurück im April. Zumindest anfangs wo alles wieder auf mich einprasselte und ich die Kraft nicht für Schilde sondern für die Arbeit brauchte.
Bis zu jenem Tag im April. Wo ich in der Kantine saß und mir dachte
„Ach Cmon, eigentlich is das Leben doch ganz geil und für den ganzen negativen Scheiß ist doch eigentlich weder Platz noch gibts dafür nen Grund“

Keine Ahnung warum der Schalter gefallen ist, aber was dann kam war mit Mai vielleicht der geilste Monat meines Lebens. Und hey, nachdem man mal eben 2 Jahre echt in der puren Finsternis wanderte war der Mai bitter nötig und echt geil. Fast als hätte mein Hirn alles an aufgesparten Endorphinen gleichzeitig rausgepustet.

Depression so gut wie weg, Soziophobie weg, ich extrovertiert wie noch was, SVV weg, Suizidgedanken weg. Alles negative weg. Leistungsfähigkeit da, Fahrgast und Menschenumgang cool wie noch was. Es war wie als könnte man endlich aus der Höhle raus und das Licht fühlen. Also ob jemand plötzlich einen Farbeimer umgeschmissen hat. Sehr sehr sehr geil.

Ich verspürte Plötzlich wieder Freude, Hoffnung, war ausgeglichen. War mir sicher dass das meine Emotionen waren. Fühlte MICH endlich. War nicht mehr fremd. Es war, als hätte jemand gemerkt das mir das Bewusstein für mich fehlt und hätte es nachgeliefert. Kann man so wohl auch keinem erklären. Aber so war es.
Auch schön: Im Mai konnte man mal ausprobieren was geht und was nicht ohne angst zu haben, dass man wegen ner Kleinigkeit die irgendwas irgendwo triggerte mich wieder 2 Tage bis 2 Wochen lahmlegt oder zurückschmeisst…

Generell war ab dem Q2 alles try and error. Learning by Doing. Ausprobieren wie was wirkte. Und warum? Weil es es plötzlich geht. Weil verschiedene Aktionen plötzlich verschiedene Reaktionen hervorrufen die dann auch eine längerfristige Wirkung haben. Und nicht nur ein kurzes 10 Sekunden something-like-Glücksgefühl das kurz drauf wieder erstickt wird.

Ich irgendwann 2019


Und ja, ich hatte Bock auf 2019. To be Continue